Sonntag, 16. September 2012

Die Puppenspieler

Die Sonnenstrahlen tanzten über das Blatt, während der Abt sich mit zusammengezogenen Brauen daranmachte, die Bulle des Papstes noch einmal von vorne zu lesen.

Die Puppenspieler ist ein historischer Roman der Autorin Tanja Kinkel, der 1995 erschienen ist.

Im Jahre 1484 gibt der Papst das Signal zur Hexenverfolgung. Und mitten in Deutschland muss ein Zwölfjähriger zusehen, wie seine Mutter auf dem Scheiterhaufen endet. Richard, Sohn eines schwäbischen Kaufmanns und einer schönen Sarazenin, werden die unmenschlichen Bilder für immer verfolgen. Bis ins Haus des reichen Jakob Fugger, der den Neffen seiner Frau aufnimmt und in seinem Hause erziehen lässt. Und später nach Florenz und Rom, wo er für Jakob Fugger arbeiten wird. Im Italien der Medici und Borgia, der Busspredigten eines Savonarola und der grenzsprengenden Kunst eines Michelangelo wird Richard gegen das Erbe seines eigenen Blutes kämpfen. Und er muss sich endgültig entscheiden zwischen Freundschaft und Liebe, zwischen dem Wunsch nach Rache und einem ungebundenen, vorurteilsfreien Leben.







Tanja Kinkel hat mit ihrem Roman nicht nur ein Meisterwerk erschaffen, nein, sie geleitet den Leser in einen Geschichtsunterricht der etwas anderen Art. Die Kirche spielt nicht nur die wichtigste Rolle, nein, das Werk deckt zugleich dramatische Missstände dieser Zeit auf, mit dem Haupthintergrund der Hexenverbrennung. Doch auch das vornehme Kaufmannsgeschlecht der Fugger wird unter die Lupe genommen und der Leser lernt neue und interessante Details der italienischen Frührenaissance.


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Auf etwa 672 Seiten taucht der Leser in die Tiefen des 15. Jahrhunderts ein und wird durch einen wunderbaren Schreibstil keine Zeit finden, das Buch aus der Hand zu geben. Durch seine spannende und fließende Schreibweise erlebt der Leser dieses Werkes die Geschichte rund um den jungen Richard Artzt hautnah mit, fühlt, leidet, erfreut sich mit ihm. Der Junge wird ein Teil des Lesers und nimmt ihn mit auf ein atemberaubendes Abenteuer: seine Geschichte und seinen scheinbar ausweglosen Kampf gegen die unsagbare Macht der Kirche zu dieser Zeit.

Etwas Geschichte gefälligst?

Auch wenn die Kirche in diesem Buch die wichtigste Rolle einnimmt und der Leser zahlreiche Hintergrundinfos erfährt, sollte man sich davon nicht abschrecken lassen. Morde & Intrigen stehen rund um die Papstwahl am Tagesplan, wodurch dem Leser ein neuer und zugleich fremder Teil der Geschichte nähergebracht wird.




Die Puppenspieler
Tanja Kinkel
Goldmann Verlag

Persönliche Note♫ ♫ ♪




5 von möglichen 5 Punkten. Ein tolles Ergebnis. Historische Romane sind normalerweise nichts für schwache Nerven, die damaligen Adelsgeschlechter lassen viele Leser bitter aufstoßen und die Bücher über diese Zeit werden viel zu oft abgelehnt. Nein, dieses Buch ist kein Buch, dass man nur als Liebhaber historischer Geschichten lesen kann. Auch für mich ist es das erste Buch dieser Gattung und ich bin vollends begeistert. Es ist verblüffend und zugleich atemberaubend, wie das bekannte Kaufmannsgeschlecht der Fugger die Fäden in der Hand hält (--> Puppenspieler) und den Markt der damaligen Zeit beherrscht. Und es ist grandios, wie sich ein junger Mann, Richard Artzt, durch diese Zeit schlägt und für Gerechtigkeit und Aufklärung versucht zu kämpfen. Die realen Hintergründe, die Tatsachenberichte und ein junger Michelangelo als Nebendarsteller weisen auf einen grandiosen Roman hin, der in meinem Bücherregal einen ganz besonderen Platz einnimmt.


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