Freitag, 30. November 2012

Elle s'appelait Sarah * Sarahs Schlüssel

Sie dachte an ihren kleinen Bruder, der im Wandschrank wartete. Sie tastete nach dem glatten Schlüssel in ihrer Tasche.


Paris, 2002: Julia, eine amerikanische Journalistin, die mit ihrem französischen Mann in Paris lebt, entdeckt, dass die Familie ihre Mannes jahrzehntelang in einer Wohnung gelebt hat, die vor 1942 Juden gehörte. Als sie sich auf die Suche nach der jüdischen Familie macht, ahnt sie nicht, dass dies ihr Leben radikal verändern wird.
Ihre Recherche führt sie zurück in den Sommer 1942, zu Sarah, einem zehnjährigen jüdischen Mädchen, das mit ihren Eltern von der französischen Polizei deportiert wurde. Getrieben von dem Wunsch, ihren kleinen Bruder zu retten, der zu Hause versteckt in einem Wandschrank wartet, gelingt ihr die Flucht. Den Schlüssel zum Schrank hält sie in der Hand...





Tatiana de Rosnay hat ein absolut lesenswertes Buch geschrieben, das nicht nur fesselt, sondern das den Leser bis auf die letzte Seite mitfiebern lässt. Es ist aufgeteilt in zwei Teile. Zum einen hätten wir da die Geschichte der amerikanische Journalistin im Jahre 2002, die mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Paris lebt. Sie führt ein geregeltes Leben, hat einen gutbezahlten Job und lebt glücklich vor sich hin. Bis sie sich eines Tages mit den schrecklichen Geschehnissen des Rafle du Vélodrome d'Hiver auseinandersetzt.

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Auf der anderen Seite haben wir die kleine Sarah, die zusammen mit ihren Eltern und ihrem kleinen im Paris der früher 50er lebt. Europa wird regiert von den Nazis, und auch in Paris beginnt man nun mit der Deportation sämtlicher jüdischer Familien. Auch Sarah und ihre Familie bekommen Besuch von der Pariser Polizei. Doch Sarah hat einen Plan: Ihr kleiner Bruder solle sich im Wandschrank verstecken, von dem nur die Beiden wissen, und sie würde ihn später holen. Den Schlüssel nimmt sie mit und wird zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Vater ins Vel d'Hiver gebracht.


Bücher über den zweiten Weltkrieg gibt es bekanntlich en masse. Bücher über den zweiten Weltkrieg in denen Kinder die Hauptrolle spielen ebenso. Doch dieses Buch ist kein Klischeehafter zweiter Weltkrieg Roman, nein, er erzählt eine völlig unabhängige, noch dazu frei erfundene Geschichte, die sich um das Leben zweier Frauen dreht, die etwas zu erzählen haben.



Diese eindringliche und rührende Geschichte, die gespickt ist mit kleinen Zwischenfällen, die einen etwas zu Ruhe kommen lassen, lässt den Leser nicht nur auf die Grausamkeiten des Zweiten Weltkrieges zurückblicken. Nein, vorrangig ist in diesem Werk die Geschichte der kleinen Sarah, mit der Julia immer enger zusammenwächst, auch wenn die beiden Geschichten in einer ganz anderen Zeit spielten.

Viele schütteln hierzu nur den Kopf und meinen "Schon wieder ein Bucher über die Juden, die Nazis, den Zweiten Weltkrieg." Ja, richtig. Doch diese schrecklichen Szenen dürfen nicht vergessen werden.

Tatiana de Rosnay hat einen Roman kreiert, den man innerhalb kürzester Zeit verschlungen, allerdings noch lange Zeit nicht vergessen wird. Die unendliche Liebe der kleinen Sarah, die selbst in den schlimmsten Momenten immer nur an ihren kleinen Bruder denkt, die strebsame Journalistin Julia, die alles daran setzt, die Geschichten rund um das Vel d'Hiver aufzudecken, lassen einen nicht nur das Herz höher schlagen, die Geschichte bringt den Leser auch zum weinen.



Sarahs Schlüssel
Tatiana de Rosnay
Bloomsbury Verlag

Persönliche Note: ♫ ♫ 


4 von möglichen 5 Punkten. Das Buch überzeugt und ist ein absolutes Muss für jeden, der ein Herz für Bücher hat und dem die Geschichte Europas und vor allem die Geschichte rund um das Dritte Reich und Deutschland interessiert. Es ist ein etwas anderes Buch, das nicht nur die Grausamkeiten und Missstände der damaligen Zeit aufweisen, es beinhaltet auch eine Geschichte aus der Gegenwart. Dadurch hebt sich dieses Buch von den zahlreichen Schilderungen vieler Überlebender ab. Abzüge gibt es für die zum Teil etwas schnulzige und klischeehafte Entwicklung der Julia, die ein wenig zu sehr von der Geschichte abhebt. Zudem ist in meine Augen das Buch nichts für Jugendliche ab 12. Nein, für dieses Buch benötigt man etwas mehr Reife. Nichts desto trotz: absolute Pflichtlektüre!



1 Kommentar:

  1. Ich habe den Film neulich mit der Klasse im Kino gesehen (allerdings auf Französisch). Ich fand ihn richtig gut und mega traurig & grausam.

    Liebe Grüße
    Yoshi :)

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