Freitag, 15. Februar 2013

Love virtually * Gut gegen Nordwind

Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist wie küssen mit dem Kopf.

Emmi Rothner möchte per E-Mail ihr Abo der Zeitschrift "Like" kündigen, doch durch einen Tippfehler landen ihre Nachrichten bei Leo Leike. Als Emmi wieder und wieder E-Mails an die falsche Adresse schickt, klärt Leo sie über den Fehler auf. Es beginnt ein außergewöhnlicher Briefwechsel, wie man ihn nur mit einem Unbekannten führen kann. Auf einem schmalen Grat zwischen totaler Fremdheit und unverbindlicher Intimität kommen sich die beiden immer näher - is sie sich der unausweichlichen Frage stellen müssen: Werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja?




Daniel Glattauer begeistert mit seinem unverkennbaren Schreibstil und seiner tollen Ausdrucksweise. Die Thematik eines Briefromans ist zudem nicht nur eine originelle Idee, Glattauer schafft es auch, den Eingang der Romans gelungen darzustellen.

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Doch das wars dann auch schon. Die zwei Protagonisten, Leo und Emmi, beginnen sich zu schreiben und wie es sein soll, verlieben sich die beiden ineinander. Allerdings sucht der Leser hier vergeblich nach Gefühlen, nach dem Ausbruch der Liebe, nach Wärme. Von den Beiden erfährt man herzlich wenig. Und auch sie selbst wissen wenig übereinander, trotz allem sind sie von heute auf morgen Feuer und Flamme, können keinen Tag ertragen, an dem der andere nicht schreibt.

Das Buch selbst kann man kaum an Langatmigkeit übertreffen. Gefühlsduseleien, nächtliche Kommunikation und die Vorstellung, wie ein Zusammentreffen in der Wirklichkeit von statten ginge. Doch von zahlreichen Kritikern und dutzenden Lesern wird der Roman höchst gelobt.

Warum?

Der Roman hat das, was die heutige Gesellschaft wiederspiegelt: Kommunikation über das Internet, versteckte Gefühle, Ausbruch aus dem (tristen, langweiligen, eingespielten, verrückten,...) Alltag. Ja, all das lässt die LeserInnen aufblühen und das Buch verschlingen. Um es danach hochzuloben und es nach einer Woche wieder zu vergessen.



Mit einem Klassiker ist dieses Buch nicht zu vergleichen. Ein Trivialroman, wie ihn jede gute Hausfrau im Regal stehen haben sollte. Der Realität ist diesem Buch allerdings nicht viel abzukaufen. Allerdings ein netter Zeitvertreib, sollte mal länger kein (gutes) Buch am Nachttisch liegen.

Nachdem im Großen und Ganzen auch nicht wirklich viel in dieser Geschichte passiert, bleibt einem hier zum Abschluss auch nicht wirklich etwas zu sagen.



Gut gegen Nordwind
Daniel Glattauer
Goldmann

Persönliche Note: ♫  


2 von 5 möglichen Punkten, mein Fazit: die Idee rund um die Geschichte ist ja nicht schlecht, allerdings hätte man aus diesem "Liebes"roman mehr machen können. Der Seitenumfang ist zu groß, für die eher schwache Story, gäbe es mehr von der (von mir) sehnsüchtig gesuchten Liebesgeschichte, könnte ich das Buch auch guten Herzen weiterempfehlen - so bleibt mir nur zu sagen, dass es sein Geld nicht wert ist, man hier allerdings eine nette triviale Geschichte für einsame Winterabende finden kann.