Montag, 29. April 2013

Das Mädchen, das den Himmel berührte


Sie standen mitten im Hof, hatten den linken Arm nach oben gestreckt, und ihre Zeigefinger deuteten in den Sternenhimmel.



Wie wird ein junger Tagedieb, der seine Kindheit in einer Höhle verbracht hat, zu einem glühenden Verfechter der Freiheit? Wie wird ein jüdischer Betrüger zu einem berühmten Arzt? Und wie wird ein junges Mädchen ohne Perspektive zu einer einflussreichen Modeschöpferin? 
Die Antwort liegt in Venedig. Denn dort, im Labyrinth der Gassen und Kanäle der geheimnisvollsten Lagune Europas, zwischen der Pracht San Marcos und dem Elend der Spelunken von Rialto findet sich das gesamte Panorama des Lebens.






Nach Luca di Fulvios großem Erfolgsroman "Der Junge, der Träume schenkte" (2011) erschien Anfang 2013 sein Werk "Das Mädchen, das den Himmel berührte". Trotz der Erfolgswelle gelang es ihm an den Erfolg anzuschließen und zahlreiche Leser zu begeistern. Mit großem Gefühl geht er an die Geschichte heran und verzaubert seine Leser mit einer unglaublichen Geschichte im fernen, frühen Venedig. 

Mercurio und seine beiden Anhängsel Bernadetta und Zolfo fliehen aus Rom, nachdem sie glauben, einen Juden getötet zu haben. Ihr Ziel: Venedig. Die drei Straßenkinder, die in den schäbigsten und heruntergekommensten Ecken Roms aufgewachsen und groß geworden sind, machen sich auf dem Weg. Auf diesem treffen sie auf eine Kriegstruppe, die auf der Heimreise ist und der sich bereits der Arzt Isacco und Giuditta angeschlossen haben und nun auch die drei Jugendlichen. Auf der kurzen Reise kommt es zu einem Zwischenfall, der für die ganze Geschichte prägend sein wird...

Bisher bin ich noch nicht in den Genuss gekommen, "Der Junge, der Träume schenkte" zu lesen, doch ich möchte hier auch nicht zwei Werke eines Autors vergleichen, sondern dieses tolle Werk rezensieren. Di Fulvio ist es gelungen auf 976 Seiten Liebe, Hass, Intrige, Freundschaft und die grausame Welt des Venedigs im 16. Jahrhundert. Juden, wie Isacco und Giuditta werden zwar akzeptiert, doch müssen sich mit gelbem Hut kennzeichnen und später müssen sie im ersten Judenghetto, dem "Ghetto nuovo", leben. Zudem wird sehr ausführlich das damalige Gaunertum beschrieben, die Umstände und Kämpfe und viele andere Probleme, die dieses Leben so mit sich bringt. 

Viele kleine Geschichten, Umstände und Zufälle werden in diesem Buch verpackt. Der zunächst lange Einstieg in das Buch, in dem er vor allem um die Vorgeschichte und die einzelnen Charaktere geht, gibt dem Leser einen tollen Einblick in jede einzelne Figur und lässt kaum Fragen offen. Man bekommt einen guten Einstieg, auch wenn es stellenweise etwas schleppend vor sich geht. Die Gefühle und Details gefallen mir sehr gut und kommen sehr nahe an den Leser heran, man fühlt sich zugehörig und wird in die Geschichte eingebaut. Der Schreibstil ist sehr überzeugend, es wird einfache Sprache verwendet und ist somit flüssig und gut lesbar. 

Der historische Hintergrund spielt zwar eine bedeuntende Rolle, es wird jedoch nicht allzu stark darauf eingegangen. Hintergrundwissen ist meiner Meinung nach bei historischen Romanen nie schlecht, hier allerdings nicht unbedingt notwendig. Man hat auch ohne spezielle geschichtliches Wissen keine Probleme den historischen Zügen zu folgen. Die Gründung des Judenghettos wird sehr ausführlich beschrieben (auch wenn die Umstände, die im Buch dazu führten, nicht der Wahrheit entsprechen), auch die Bedingungen, die den Juden damals gestellt wurden (das Tragen des gelben Judenhutes).

Im Laufe der Geschichte kommen immer mehr mitwirkende und mehr oder weniger wichtige und einflussreiche Charaktere zur Geltung, was teilweise relativ anstrengend und auch schwierig ist. Im Endeffekt hätte man einige von ihnen weglassen können, was dem Leser bestimmt genutzt hätte, da man häufig durch die massenhaften Namen verwirrt war. Auch das Ende kam meines Erachtens viel zu plötzlich. Dafür wurde zwischendurch viel zu viel herumgeredet. Dies hätte man besser lesen können, ein schönerer und weniger abrupter Abschluss hätte mir besser gefallen.


Das Mädchen, das den Himmel berührte
Luca di Fulvio
Bastei Verlag
976 Seiten

Persönliche Note:     

5 von 5 möglichen Punkten: auch ich schließe mich den Lobpreisungen an und bin der Meinung, die (bisher) beste Neuerscheinung dieses Jahres. Di Fulvio versteht es, einen guten, interessanten und spannenden Roman zu schreiben, Liebe, Hasse, Mord, Totschlag und Geschichte zu einer atemberaubenden Story zu verpacken. Man kann vollkommen abschalten und in eine Welt des Venedigs im 16. Jahrhunderts eintauchen. Auch wenn es keine schöne Welt ist, in der man Prunk, reiche Leute und glückliches Leben findet, so findet man Menschen, die man ins Herz schließt, mit denen man leidet und hofft, mit denen und die man liebt, die man hasst und verachtet. Ein wunderbares Buch, das ich jedem nahe lege, der für eine Weile aus seiner eigenen Welt entfliehen möchte und abschalten will. 




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