Sonntag, 21. April 2013

Niemand ist eine Insel

No man is an island, entire of itself.
John Donne


»Niemand ist eine Insel« - diese Worte spricht Sylvia Moran, die schönste Frau und größte Schauspielerin des internationalen Films, bei einer Wohltätigkeits-Gala in Monte-Carlo. Wenige Jahre später, zur gleichen Zeit, da diese Frau mit ihrem. neuesten Film einen Triumph ohnegleichen erlebt, wird sie angeklagt wegen Mordes. Ihr Motiv stellt Staatsanwalt, Richter und Verteidiger gleichermaßen vor ein Rätsel. Wie es zu dem Mord gekommen ist, erzählt Philip Kaven, der »ständige Begleiter« des Stars, in einer Beichte, die den, der sie liest, von der ersten bis zur letzten Zeile in atemloser Spannung hält. Kaven schont weder sich noch andere, wenn er von der trügerischen Scheinwelt des Films berichtet, vom erbarmungslosen Streß der Dreharbeiten und von strahlenden Premieren, von den Machenschaften eiskalter Manager, vom Glanz und Elend des Jung-und-schön-sein-Müssens und von brutaler Erpressung. Vor allem aber belichtet Kaven über die Tragödie einer Mutter, die, während sie im Zenit ihres Ruhmes steht, bitterstes Leid um ihre kleine Tochter Babs erdulden muß - ein Leid, wie es Hunderttausenden von Müttern auferlegt wird. Für Kaven jedoch bringt gerade dieses tragische Geschehen die Wandlung. Denn ihm offenbart sich nun eine Welt, von der er ebensowenig gewußt hat, wie die meisten Menschen wissen oder wissen wollen. Es ist eine Welt des stillen Heldentums und der hingebenden Arbeit an hilflosen Geschöpfen. Hier lernt Philip Kaven kennen, woran er bis dahin nie geglaubt hat: die Liebe. 



Der Erfolgsautor Johannes Mario Simmel hat es wieder mal geschafft. Zahlreiche seiner Werken wurden hochgelobt, "Es muss nicht immer Kaviar sein", ist das wohl bekannteste seiner zahlreichen Literaturklassiker. Seine Romane spiegeln gesellschaftspolitische Themen wieder: Drogenhandel, Gewalt gegen Ausländer... Seit Jahrzehnten gehört er zu den meistgelesenen Autoren im deutschsprachigen Raum, und mit "Niemand ist eine Insel" konnte er wieder tausende Leser in den Bann ziehen.

Sylvia Moran, eine erfolgreiche und hochgelobte Schauspielerin, lebt ein glamouröses Leben mit ihrem Partner Philip Kaven und ihrer Tochter Babs. Stets auf Reisen, am drehen von Filmen und bei Presseauftritten führen sie ein Bilderbuchleben, hintenrum jedoch hasst Philip Babs, will sein Leben mit Sylvia alleine führen. Sylvia, die ihre Tochter genau so liebt wie Philipp und ihre Karriere ist stets hin und hergerissen. 

Simmel war ein erfolgreicher Autor, schrieb endlos viele Bücher und wird von Kritikern entweder hochgelobt oder zutiefst kritisiert. "Niemand ist eine Insel" lässt die Kritiker wieder die Barrikaden hochgehen. Das Buch wurde bereits 1975 veröffentlicht, ein Buch mit einem äußerst sensiblen Thema, das zu diesen Zeiten kaum öffentlich angesprochen wurde. Nun, etwas mehr als 35 Jahre später, habe ich dieses Buch entdeckt. Was zunächst nach einer harmlosen Geschichte klingt, in der ein Filmsternchen mit ihrem Liebhaber und ihrer Tochter zusammen die Welt erobert, eine Affäre passiert, ein Mord und noch ein paar kleine Zwischenfälle. Doch es kommt anders als man denkt...

Der Beginn der Geschichte, unter der Überschrift "Symptom", ist gespickt von Liebe, Hass, Affären und einem Starlett, dass alle anderen in den Schatten stellt. Philip erzählt die Geschichte, es ist ein Brief, der die Staatsanwaltschaft über ein Verbrechen aufklären soll. Hier wird schonungslos erzählt, keiner wird ausgelassen, wird verschont oder geschützt. Während Sylvia sich einer weiteren Schönheitsoperation unterzieht, erkrankt ihre Tochter Babs schwer. Ihre Begleiter, Phil und Dr. Wolken (Babs Privatlehrer) sowie das Kindermädchen Clarissa bringen das Mädchen nach einer schweren Nacht mit hohem Fieber in das Krankenhaus. Was dann kommt, damit rechnete wohl niemand... 

Menschen ändern sich. Aus persönlichen Gründen, da man mit sich selbst nicht zufrieden ist. Oder man ändert sich, weil man etwas verloren hat. Oder es geschieht ein Schicksalsschlag, plötzlich ist alles anders und man selbst steht nun im Mittelpunkt des Geschehens. Philip Kaven passiert dies. Zunächst war er bloß der Mann an Sylvias Seite, der Begleiter der Person, die stets im Rampenlicht, im Mittelpunkt, im Vordergrund stand. Er war für sie da, doch hängte ihr Leben nicht von ihm ab. Doch nun kommt er in die Situation, dass er für einen Menschen da sein muss, einen Menschen, für den er zuvor Mordgedanken hatte, den er nicht ausstehen kann, doch die kleine Babs braucht jemanden, der ihr hilft, für sie da ist. Ihre sie über alles liebende Mutter, die hysterisch ist und mit der Problematik nicht klar kommt, ist es nicht. Denn nach einer schweren Hirnhautentzündung wird aus dem kleinen Sonnenschein ein pflegebedürftiges Kind.

Simmel hat einen hervorragenden Erzählstil. Er schafft es, den Erzähler bis zur letzten Seite zu fesseln und vollbringt es, den Leser vollständig mit seinen Figuren verschmelzen zu lassen. Er bringt Gefühle herüber, dass man Gänsehaut bekommt und man nicht nur einmal Tränen vergießen muss. Die einfühlsame Art und Weise, wie er diese Geschichte erzählt, wie er Phil die Geschichte erzählen lässt, wie er diese Geschichte dem Leser eindrücklich näher bringt, ist unglaublich. Die Thematik war 1975 bestimmt noch seltener, schwieriger und unbekannter, heute gibt es schon sehr viele Bücher, die Behinderung thematisieren. Nichts testo trotz ist es in meinen Augen auch heute noch ein aufrüttelndes und kritisches Buch. Hat sich die Gesellschaft in diesen kurzen 35 Jahren so stark geöffnet? Noch immer findet man ablehnende Haltung gegenüber Behinderten in unserer Gesellschaft. Nein, auch heute sind noch viel zu viele von uns verschlossen und haben Vorurteile, Angst oder auch Abneigung Menschen mit Behinderung gegenüber. 


Niemand ist eine Insel
Johannes M. Simmel
Verlagsgruppe Weltbild GmbH
719 Seiten

Persönliche Note:    


3 von möglichen 5 Punkten: Das Buch ist toll, es hat mich allerdings nicht vom Hocker geworfen. Die Thematik ist toll, es ist das erste Buch, das ich gelesen habe mit einer solchen Thematik. Es hat auch mir die Augen geöffnet und ich sehe Menschen mit Behinderung nun mit ganz anderen Augen. Dies ist der Grund, dem Buch 3 Punkte zu geben. Ich mag gefühlvolle Bücher und dieses Buch hat jede Menge davon. Jedoch ist mir die ganze Geschichte ein wenig zu lang gezogen. Auf einige Stellen wurde viel zu sehr eingegangen, auf andere zu wenig. Es gibt viele, ausschmückende Dialoge, die das Buch weiter unnötig in die Länge ziehen. Der Mord an Rettland rückt mehr oder weniger komplett in den Hintergrund. Außerdem sind mir persönlich die Personen ein bisschen zu wenig charakterisiert. Abgesehen davon ein gelungenes Buch, das man auf alle Fälle lesen sollte, wenn man mal einen anderen Blick bekommen möchte und um seine eigene Verschlossenheit ein wenig abzulegen.






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