Mittwoch, 3. April 2013

The Reader * Der Vorleser

Aber als ich am nächsten Tag kam und sie küssen wollte, entzog sie sich. "Zuerst musst du mir vorlesen."

Der fünfzehnjährige Michael lernt Hanna, eine Frau von Mitte dreißig kennen. Sie wird seine erste Liebe. Trotz gewisser Spannungen - Hanna weigert sich, über ihre Vergangenheit zu sprechen, erleben beide eine Zeit des Glücks. Dann ist Hanna verschwunden. Jahre später sieht der Jurastudent Michael sie im Gerichtssaal wieder. Im Rahmen eines Seminars nimmt er als Beobachter an einem Kriegsverbrecherprozess teil. Hanna wird eines schrecklichen Vergehens beschuldigt und verurteilt. Michael ist entsetzt, kann aber Hanna und das, was er mit ihr erlebte, nicht aus seinem Gedächtnis verbannen.
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Bernhard Schlink hat mit diesem Roman einen Literaturklassiker geschrieben. Mit viel Gespür führt er den Leser in verschiedene Thematiken ein: 

Da wäre zunächst die Mittdreißigerin Hanna, die weder lesen noch schreiben kann. Michael kommt durch Zufall und unter gewissen Umständen zu dem 'Vergnügen' ihr vorzulesen. Analphabetismus ist somit die erste Thematik, mit der sich Schlink beschäftigt. Zudem wäre die sexuelle Beziehung, die der Minderjährige Michael mit Hanna führt. Die beiden haben ein leidenschaftliches Verhältnis, eine innige Beziehung, jedoch weiß Michael nichts über Hannas Vergangenheit - darf auch nicht danach fragen.

Später haben wir den Prozess, in dem Hanna dem Richter vorgeführt wird. Michael, der mittlerweile Jura studiert, ist schockiert, denn Hanna ist als ehemalige KZ-Aufseherin die Hauptangeklagte.

Schlink bedient sich einer recht einfachen, doch stets tiefgehender und einfühlender Sprache. Sein Schreibstil lässt den Leser nachdenklich werden, mitfühlen und mitleiden. Spätestens mit - wohl einer der bekanntesten Sätze des Werkes - dem Satz "Was hätten Sie denn gemacht?", den die Angeklagte dem vorsitzenden Richter stellt, hat Schlink den Leser in seinen Bann gezogen.

Er versteht es, den Leser langsam in eine Geschichte einzugliedern, in der man sich tausende Gedanken zum Thema Liebe, Schuld, Gewissen, Verantwortung und vielen mehr macht. Schon im ersten Teil bereitet Schlink den Leser immer mehr auf die kommenden Seiten vor, in denen er auf Thematiken vorgreift, sie jedoch nicht näher betrachtet. Dies macht das Buch nicht nur durchwegs spannend, sondern lässt einen auch nach dem Weglegen des Buches nicht mehr los.



So eisern, wie sich in diesem Buch ein roter Faden durch die Geschichte zieht, sowas erlebt man nicht oft. Gekonnt verwebt er den Leser mit in die Geschichte, bis zu dem Punkt, an dem man sich selbst die Frage stellt, wer denn nun Täter, Opfer, Angeklagter, Schuldiger ist und was denn schlußendlich ich gemacht hätte.


Der Vorleser
Bernhard Schlink
Diogenes


Persönliche Note:  ♫ ♪


5 von 5 möglichen Punkten: Ein gekonnter Klassiker, mit einer grandiosen Verfilmung, wie oft kommt das schon vor? So viel Sensibilität und Gefühl wie in dieser Geschichte stecken, Liebe, Verrat, Hass... Schlink, ein toller Autor und dieses Werk macht Lust auf mehr von ihm. Ein absolutes Pflichtbuch, in dem nicht der zweite Weltkrieg das Hauptthema ist, sondern lediglich ein Randthema, um welches sich eine verrückte, einzigartige Geschichte abspielt.





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