Dienstag, 28. Mai 2013

Das Lied der Grammophonbäume

Ich zögerte und blieb, wo ich war, - unter einem Kirschbaum, dessen Äste schwarz über mir hingen; Regen tröpfelte von dort auf meine Pelzkappe, rann mit kalt an Wangen und Hals entlang.


Neun phantastische Kurzgeschichten aus der Feder des Autors, atmosphärisch dicht und reich bebildert - als Kopfkino hinter dem Vorhang aus Brokat, mit Schellackplatten, Bombentrichtern. Im Anhang sind literarische Perlen und Kleinode gesammelt.
Der Inhalt:
1) Das schweigende Haus
2) Das Uhrwerk
3) Der Seeraum
4) Verlassenes Haus
5) Das Wunder von Flandern
6) Imperium Germanicum
7) Das Lied der Grammophonbäume
8) Das Brandmal
9) Stormrider




Frank Hebben ist auf dem besten Weg ein begnadeter und genialer Autor zu werden! "Das Lied der Grammophonbäume" ist ein großartiges Werk und zudem etwas ganz besonderes: Es besteht vollständig aus kleinen Kurzgeschichten. Kleine Kurzgeschichten, die es in sich haben...

Hebben ist (leider jedoch noch viel zu wenig!) für seine Sammlungen atemberaubender Kurzgeschichten bekannt. Auch wenn man sich wenig für Kurzgeschichten begeistert, da die Geschichte ja schon nach wenigen Seiten zu Ende ist - was auch mein erster Gedanke war - sind seine Werke gespickt mit grenzgenialen und wunderbaren kleinen Geschichten, jede für sich einzigartig, traumhaft, unheimlich und vieles mehr. Ein Buch mit mehreren Kurzgeschichten ist bestimmt für viele absolutes Neuland, vor allem, da in den letzten Jahren kaum bis gar nicht die Rede von solchen Sammlungen war. Doch es zahlt sich auf jeden Fall auf, eines seiner Bücher zu lesen und einzutauchen in eine faszinierende und spannende Welt - nicht nur einmal, wie in "gewöhnlichen" Büchern, sondern mehrmals.

Das Cover, das ich zwar selten anspreche, hier jedoch eine besondere Wirkung auf jeden hat, der Kurzgeschichte Nummer 7 bereits gelesen hat (eine meiner Lieblingsgeschichten). Genau so und nicht anders stellt man sich die Umgebung, die in dieser Kurzgeschichte beschrieben wird, vor - unglaublich, wie man diese Szenerie so treffend darstellen kann. Auch Geschichte Nummer 3 war eine grandiose Reise - im wahrsten Sinne des Wortes! Doch auch all die anderen, sind ein tolles Leseerlebnis, auch wenn ich sie hier nicht genannt habe. 

Die Kurzgeschichten im Werk "Das Lied der Grammophonbäume" haben unterschiedliche Genre, sodass man von Gruselstories über traumhafte Geschichten alles dabei hat. Doch was sie alle verbindet, ist die unsagbar tolle bildhafte Sprache, die Hebben an den Tag legt. Durch seine Worte werden die Bilder lebendig, jede einzelne Phrase ist gut durchdacht und so wird jede Kurzgeschichte zu einem kurzen, aber riesigen Erlebnis, an das man noch längere Zeit zurückdenkt. Jede Szene ist gespickt mit Details, die man nicht besser beschreiben kann, als es Hebben getan hat, es entstehen aus seinen Worten Bilder, die fesseln, verzaubern und sprachlos machen. Jedes einzelne Wort verschlingt man und wird zu Musik in den Ohren, ein sagenhaftes Erlebnis für jeden Leser.

Da man, verständlicherweise, hier nicht auf jeden einzelnen Inhalt, jede Geschichte und den darin handelnden Personen eingehen kann, bleibt nicht viel zu sagen, als das dieses Buch ein wahrer Schatz ist. Der Autor versteht es, das hohe sprachliche Niveau über das ganze Buch hinweg aufrecht zu erhalten, die Geschichten sind - jede einzelne - so toll geschrieben, dass man die Finger nicht mehr von dem Büchlein lassen kann. Jede für sich ist ein Meisterwerk, ein Meisterwerk in das man eintaucht und in das man sich einlebt, als hätte man schon immer in dieser wundersamen Welt gelebt. Ein unglaubliches Leseerlebnis, das unbedingt jeder erleben sollte.



Das Lied der Grammophonbäume
Frank Hebben
Begedia
120 Seiten

Persönliche Note: ♫  ♪  

5 von 5 möglichen Punkten: Wunderbare bildhafte Geschichten, gehobene, atemberaubende Sprache und jede Kurzgeschichte eine sprachliche Explosion. Dieses Werk ist mit sicherheit eine neue Erfahrung für jeden Leser, der nicht nur Trivialromane lesen möchte, sondern auch hochwertige und qualitative Literatur zwischen den Fingern halten möchte. Absolute Leserempfehlung.

Kommentare:

  1. Ich bin eigentlich kein sonderlicher Kurzgeschichten-Fan, aber das Cover hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Frank Hebben ist mir persönlich bisher noch gar kein Begriff gewesen, also danke für den Tipp! :-)

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    1. Hatte bisher auch keine Erfahrung mit Kurzgeschichten (zumindest nicht in Buchform), allerdings war dieses Buch wirklich der Wahnsinn ;-) Absolut empfehlenswert :)

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