Dienstag, 4. Juni 2013

Dein totes Mädchen


Es war ein heimeliger Anblick, der die Einsamkeit und Weitläufigkeit der skandinavischen Bergwelt, die diesen Flecken umgab, für den Moment vergessen machte. 



Caroline kann es immer noch nicht glauben, dass ihre Tochter Lianne tot ist. Ein tödlicher Verkehrsunfall hat die 26-Jährige aus dem Leben gerissen. Tage später stirbt auch der schuldige Autofahrer. Zerrissen von Trauer und Wut, flieht Caroline aus Hamburg in die Einsamkeit der schwedischen Wälder. Als sie das Haus ihrer Familie am See erreicht, wird sie von Erinnerungen überwältigt. Achtundzwanzig Jahre liegt ihr letzter Besuch zurück, doch es ist, als wäre sie nie fort gewesen. Und schnell wird klar, dass Caroline Schuldgefühle plagen, die über die Trauer weit hinausgehen. Umgeben von der tiefen Ruhe der schneebedeckten Wälder, entzieht sie sich immer mehr der Realität. Bis Kriminalkommissar Ulf Svensson, auftaucht, mit einem entsetzlichen Verdacht …



Alex Berg hat eine sehr emotionale und tragische Thematik in ihrem Werk aufgefasst: der Tod des einzigen Kindes. Wie eine Mutter damit zurecht kommt und wie sie handelt, wenn der Unfalllenker plötzlich ohne Anklage und ohne Strafe davonkommt, wird hier erzählt. Doch nicht nur das, es wird eine spannende und gefühlvolle Geschichte versprochen, voller Intrigen und einem großen Geheimnis. Zumindest kann man darauf hoffen... 

Caroline, Anfang 50, kommt nach langer Zeit wieder in ihre Heimat Schweden. Verträumte und verschneite Landschaften und ein abgeschiedenes idyllischen Häuschen lassen die Herzen höher schlagen. Plötzlich taucht der Kriminalkommissar Ulf auf, und die Geschichte sollte spannend werden. Leider ist dem nicht so. Abgsehen von der eben erwähnten traumhaften Landschaft, verspricht die Inhaltsangabe mehr, als was das Buch hergibt. Im Endeffekt geht es wenig um einen schrecklichen Verdacht, sondern eher um die Beziehung der beiden Protagonisten. Die Dialoge und Szenen waren sehr einseitig, es gab häufig wiederholungen und es entstand leider weder Spannung noch eine interessante Geschichte. 

Die Personen waren leider wenig ansprechend, man konnte sich nur schwer in die Figuren und die Geschichte hineinversetzen und fand somit im Endeffekt nur ein Buch vor, das eine lieblose und langatmige Geschichte beinhaltet. Die Grundidee - das Verarbeiten des tragischen Unfalltods der einzigen Tochter - war zwar toll, allerdings nicht besonders toll umgesetzt. Die wenigen kurzen Rückblicke waren zwar toll um die Geschehnisse der Vergangenheit darzustellen, diese konnten den Rest der Geschichte jedoch trotzdem nicht rausreißen. 

Ein langatmiges und anstrengendes Buch, das mehr eine Beziehungsproblematik thematisiert und Figuren charaktersiert, die wohl allesamt ein psychische Wrack sind. Auch die Nebenfiguren haben seltsame und psychologisch bedenkliche Charakterzüge, das ganze Buch ist mehr melancholisch als ein Lesegenuss. Ein Hoffnungsschimmer war der "entsetzliche Verdacht", der in der Inhaltsangabe angepriesen wird. Doch dieses große Geheimnis wird schon nach wenigen Seiten gelüftet und sofern man etwas Hausverstand hat, hat man dieses Geheimnis schon zuvor gelüftet. Danach geschieht nicht mehr viel, es wird um das Geheimnis herumspekuliert, diskutiert, geliebt, gehasst, ein Ende mit einem weiteren Geheimnis. Ende. 

Der Schreibstil ist sehr gut, die Autorin findet der Szenerie entsprechend die passenden Worte, durch die tolle Beschriebung vieler Szenen kann man sich vorallem die schöne schwedische Landschaft sehr gut vorstellen. Leider wars das auch schon. Man kann sich weder in die Figuren noch in die wenig unterschiedlichen Szenen einfühlen und somit schlecht in die Geschichte eintauchen. Schade, denn aus diesem Thema hätte man mit Sicherheit viel mehr machen können und eine spannende und atemberaubende Geschichte schreiben können. 

Ein weiteres Manko ist, dass ich mir wohl zu viel erhofft habe. Immerhin wurde das Buch ursprünglich als "Thriller" betitelt, mittlerweile wurde das Genre geändert und man findet das Buch nun unter der Rubrik "Roman". Damit kann ich mich besser anfreunden und wäre ich mit der Einstellung einen Roman zu lesen an das Buch gegangen, hätte die Rezension wohl etwas anders ausgesehen. 



Dein totes Mädchen
Alex Berg
Knaur TB
352 Seiten




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