Dienstag, 18. Juni 2013

About a Girl * Über ein Mädchen

A girl should be two things: classy and fabulous.
Coco Chanel

Anna ist schüchtern und einsam – bis sie Flynn trifft, zuerst mit Gitarre auf der Bühne, dann im Café, dann mit vollen Einkaufstaschen auf der Straße. Beide fühlen sich unwiderstehlich zueinander hingezogen. Zusammen zeichnen sie, essen Bananenkuchen, träumen, baden, lachen – und lieben sich. Doch auch zwischen Liebenden gibt es Geheimnisse; auch Liebende sind sich manchmal unglaublich fremd und manchmal hält die Liebe nicht …


Joanne Horniman hat in ihren Büchern schon immer Themen wie Beziehung, die Suche nach dem Selbst, Teenageschwangerschaften und weitere heikle und aufwühlende Geschichten bearbeitet und damit zahlreiche Leser in ihren Bann gezogen und begeistert. Auch mit ihrem neuesten Jugendroman "Über ein Mädchen" behandelt sie eine interessante Thematik. Flynn und Anna, zwei junge Mädchen, die erste Erfahrungen und eine wunderbare Liebe erleben, doch zugleich auch alle Problematiken einer Tennagerliebe erleben. 

Anna lebt in einer kleinen Wohnung, studierte ursprünglich, hat jedoch einen Job in einer Bücherei angenommen und genießt ihr ruhiges Leben. Flynn hingegen jobbt in einem Café und spielt in einer Band. Als sich die beiden über den Weg laufen sind sie hin und weg voneinander, auch wenn sie ihrer Gefühle zunächst nicht im klaren sind. Doch nach und nach entwickelt sich eine herzhafte und liebevolle Beziehung, voller Höhen und Tiefen. Wird ihre Beziehung den kleinen und großen Problemen des Alltags standhalten oder wird nach den ersten Schmetterlingen alsbald der Herzschmerz folgen? 

Horniman führt uns ein in eine Liebesgeschichte, die ein wenig anders von den (alten) Klischees ist: Männlein trifft Weiblein. Hier treffen sich jedoch zwei Mädchen, und die Autorin schafft es, eine liebliche und einladende Geschichte zu schreiben. Dies ist eine Überraschung, denn das der Name "Flynn" für ein Mädchen bestimmt ist und aus dem Klappentext nichts auf diese gleichgeschlechtliche Liebesgeschichte hindeutet wird einem erst nach wenigen Seiten klar. Auf den Leser wartet hier eine besondere Geschichte, die zum einen geheimnissvoll, aber genauso offen und klar ist. 

Der Aufbau der Geschichte ist anspruchsvoll und einladend, die Rückblenden und Offenbarungen über die einzelnen darstellenden Personen sind toll. Man bekommt zum Teil tolle Einblicke in die Gefühle der beiden Hauptdarstellerinnen, andererseits sind die Gefühle und die Handlungen so verwirrend, das zwischenzeitlich der Spaß am Lesen vergeht. Die Mädchen waren meist sehr verschlossen gegenüber und hatten hauptsächlich nur Geheimnisse voreinander, die nach und nach entdeckt oder geheim blieben, in ersterem Falle führte dies zu Streit, in zweiterem zu Eifersüchteleien. Im Grunde wirkte ihre ganze Beziehung mehr wie eine innige und gute Freundschaft als eine Liebesbeziehung, was auf Dauer wieder zu Verwirrungen führt. Der Schreibstil war einerseits anspruchsvoll, andererseits war der Satzbau eine Mischung aus ewig langen und kurzen, unerklärlichen Sätzen, die anspruchsvoll, aber auch anstrengend waren. 

Wie man bereits merkt, hat diese Geschichte für mich zwei Seiten: eine tolle Geschichte, die wunderbar  toll und einfühlend sein könnte, doch auf der anderen Seite einfach keinen Tiefgang und Spannung aufbauen kann. Die beiden Mädchen wirken verstört und unterscheiden sich sehr stark voneinander. Flynn zeigt kaum Nähe und Liebe, wenn dann nur, wenn es ihr passt oder es ihr gerade in den Sinn kommt. Anna hingegen hängt Flynn regelrecht an den Fersen und wirkt instabil und wie eine Klette. Nichts desto trotz konnte ich das Buch flüssig und rasch lesen, auch wenn es immer wieder schwierig war. Ein Glück, dass es nur 224 Seiten hatte, ansonsten hätte ich womöglich noch viel länger damit gebraucht. Ich war lange unentschlossen, wie meine endgültige Rezension ausfallen würde, doch mittlerweile konnte ich diese in Worte fassen ;-)


Über ein Mädchen
Joanne Horniman
Carlsen
224 Seiten

Persönliche Note: ♫  


3 von 5 möglichen Punkten: Die Geschichte war zwar nicht wirklich tiefgründig, doch die Thematik und der Aufbau waren im Grunde sehr gelungen. Auch das Cover und das äußere des Buches fand ich sehr ansprechend und schön. Die Kaffeeflecken auf dem Buchrücken und die Abdrücke auf der Vorderseite sehen absolut einladend und toll aus. Dies kann aber trotzdem nicht über die flache Geschichte hinweg helfen. Die Gefühle und Personen wirkten verstört und ließen mich als Leser einfach nicht in die Geschichte eintauchen. Sie konnte mich auch nicht fesseln und brachte mich nicht zum Nachdenken. Schade, denn - wie bereits erwähnt - fand ich, nachdem die Überraschung über die gleichgeschlechtliche Beziehung ein wenig abklang - die Thematik und Aufbau sehr gelungen, doch überzeugen konnte mich das Buch leider nicht. 

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