Dienstag, 13. August 2013

Die kosmische Komödie

Er setzt die alte, schwarze Ray Ban auf, die man ihm mit seinem anderen Zeug ausgehändigt hat, und schlendert auf die Sonne zu.

Ein raffiniert inszenierter Liebesreigen. Aus wechselnden Perspektiven, vor dem Hintergrund einer längst fälligen Wiedergutmachung, treiben die Protagonisten auf ein überraschendes Finale zu.Unsicher sind seine ersten Schritte in Freiheit. Erinnerungen begleiten ihn wie Schemen aus der Vergangenheit. Noch wissen Josef und Silvia, die Komplizen von damals, nichts von einem Racheplan. Es ist viele Jahre her, man hat ein neues Leben begonnen. Doch was haben Bert und Rosa, die ein Familiendasein mit Geheimnissen führen, mit alldem zu tun? Oder die Kabarettis-tin, die der Premiere ihres neuen Programms entgegenfiebert? Und Franz, der sein Physikstudium nicht zu Ende bringt und als News-Flash-Reporter von einem Gräuelschauplatz zum nächsten gehetzt wird? 



Der studierte Philosoph Manfred Rumpl ist ein begabter österreichischer Schriftsteller, der mit seinen Romanen schon viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte. Mit unter anderem dem "aspekte"-Literaturpreis ausgezeichnet, versteht er es, den Leser in eine Welt zu dirigieren, die viele nur zu gut kennen, und aus der sie gerne fliehen möchten. Doch sie werden in dieser Welt gefangen und innerhalb weniger Minuten in den Bann der Geschichte gezogen, aus der es kein Entkommen gibt, bis zur letzten Seite und darüber hinaus.

Silvia, Bert, Rosa... Namen und Figuren über Namen und Figuren. Die Geschichte dreht sich um mehrere Darsteller die, mehr oder weniger mit oder ohne ihr Wissen allesamt etwas miteinander zu tun haben. Eine verzwickte Kriminaltat brachte vor Jahren jemanden ins Gefängnis, andere kamen davon. Nun möchte er sich rächen, auf seine Art und Weise. Als die Mittäter dies erfahren, wird ihnen Angst und Bange oder haben sie bereits eine Lösung? In mehrere Episoden erzählt der Autor hier die Geschichte der einzelnen Figuren, die Verstrickungen und Gemeinsamkeiten und die Probleme, die sie miteinander oder allein zu bewältigen versuchen. 

Mit einfachster Alltagssprache werden wir in ein Wien entführt in dem es vor allem von einem wimmelt: Stolpersteine, Enttäuschung, Verrat, tiefe Abgründe. Immer wieder wird der Leser von einer Enttäuschung in die nächste geführt, stolpert von einer negativen Szenerie in eine noch schlechtere. Ein düsteres Gefühl wird dem Leser in diesem Buch nahegelegt. Die Sprache ist variantenreich, von abgehackten kurzen Sätzen und witziger Alltagssprache, bis hin zu interessanten, spannenden Sätzen, die den Leser auf mehr hoffen ließen.

Doch leider blieb es nur beim Hoffen. Die Geschichte war mir etwas zu seicht, zu vorhersehbar und zu klar. Mehr Spannung, Verstrickungen und mehr Nervenkitzel wären hier angebracht, das Geheimnisvolle und Unvorhersehbare gehen in diesem Buch völlig unter. Die Geschichte wirkt zwar, als wäre sie tatsächlich passiert bzw. ist sehr realitätsgetreu geschrieben, doch die viel zu zufälligen Zufälle machten dem Lesevergnügen einen Strich durch die Rechnung. 



Die kosmische Komödie
Manfred Rumpl
Luftschacht Verlag
210 Seiten

Persönliche Note: ♫ ♪ 

2 von 3 möglichen Punkten: Lange habe ich überlegt, ob ich denn nun 2 oder 3 Punkte geben soll. Hätte ich Dezimalstellen, wären es wohl 2,5 Punkte geworden. Die Geschichte hat einen melancholischen Einschlag, das Geschehen ist meist negativen Ursprungs und die Handlungsträger lassen manche mehr, manche weniger tief in ihr Leben einblicken. Das Buch ist flüssig zu lesen und für eine kleine Abwechslung zwischendurch auf alle Fälle empfehlenswert. Als spannende Lektüre, die den Leser fesseln und beschäftigen soll, kann ich sie leider nicht empfehlen.







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